Winweb

Sicherheit von der Milch bis zum Schnitzel

Brüninghoff sichert seine integrierte Produktion mit branchenspezifischer Software

Fir­men­grün­der Jo­sef Brü­ning­hoff (links) und sein de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Jan Rog­gen­kamp ha­ben das Pflich­ten­heft ausgearbeitet.

Wer „deut­sches Kalb­fleisch“ sagt, meint meist Kalb­fleisch von Brü­ning­hoff. Das vom In­ha­ber ge­führ­te Un­ter­neh­men bie­tet ei­ne Wert­schöp­fungs­ket­te, die bei der Milch für das Käl­ber­fut­ter be­ginnt und bis zu ge­schnit­te­nem und por­tio­nier­tem Kalb­fleisch reicht. Die Si­cher­heit und Ef­fi­zi­enz der Vor­gän­ge im Un­ter­neh­men steu­ert und kon­trol­liert Brü­ning­hoff mit der auf die Fleisch­bran­che spe­zia­li­sier­ten Soft­ware „win­web-food“.

Jo­sef Brü­ning­hoff hat vor über 40 Jah­ren sei­nen ers­ten Käl­ber­stall er­rich­tet und ist heu­te mit 100 Mit­ar­bei­tern und 70 Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­um­satz ein füh­ren­der Spe­zi­al­an­bie­ter in der Fleisch­wirt­schaft. Bei Brü­ning­hoff in Bo­cholt sind al­le Pro­duk­ti­ons­stu­fen von Fut­ter­mit­teln und Auf­zucht bis Schlach­tung und Zer­le­gung ver­eint. Be­triebs­struk­tu­ren, die zwei oder meh­re­re Pro­duk­ti­ons­stu­fen in­te­grie­ren, bie­ten ge­ne­rell ein Plus an Si­cher­heit und er­leich­tern die Rück­ver­folg­bar­keit. Am An­fang die­ser Ket­te steht der Ein­kauf der Käl­ber, die dann ein Al­ter von et­wa 21 Ta­gen ha­ben. Die Her­kunft der Käl­ber sind die Hei­mat­re­gio­nen der gro­ßen deut­schen Milchviehbetriebe.

Die Vorstufen umfassend integriert

Aus der Milch­wirt­schaft kauft der Spe­zi­al­an­bie­ter auch die we­sent­li­chen Kom­po­nen­ten für das Käl­ber­fut­ter: Ma­ger­milch und Mol­ke wird in flüs­si­ger Form ge­kauft. Im Ge­gen­satz zum üb­li­chen Kauf von ge­trock­ne­ten Milch­pro­duk­ten bie­tet die­ses Fut­ter wich­ti­ge Qua­li­täts- und Um­welt­vor­tei­le: Der Nähr­stoff­ge­halt ist bes­ser, das Fut­ter kann im Lau­fe der Pe­ri­ode der Auf­zucht fle­xi­bel an­ge­passt wer­den und es ent­fällt ei­ne sehr en­er­gie­auf­wän­di­ge Ver­flüs­si­gung der Tro­cken­kom­po­nen­ten. So­mit leis­ten die Bo­chol­ter ei­nen Bei­trag zum Um­welt­schutz und zum Ent­fall von Trans­port­we­gen. Dass Brü­ning­hoff nicht nur Ein­fluss auf die land­wirt­schaft­li­che Vor­stu­fe nimmt, son­dern sie um­fas­send in­te­griert hat, ist ei­ne zen­tra­le Säu­le des Qualitätsversprechens. 

Das Scan­nen vor der Zer­le­gung (links) si­chert die Rück­ver­folg­bar­keit eben­so wie das Einlegeetikett.

Wer von Jan Rog­gen­kamp durch den Schlacht- und Zer­le­ge­be­trieb im Bo­chol­ter In­dus­trie­ge­biet ge­führt wird, er­lebt Spe­zia­lis­ten­tum – von der Milch bis zum Kalbs­schnit­zel. Rog­gen­kamp, der sich als Mit­glied der Ge­schäfts­füh­rung auf die Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge vor­be­rei­tet, geht bei al­len The­men ger­ne in die Tie­fe. So ge­lingt es ihm am bes­ten, die Al­lein­stel­lung des Un­ter­neh­mens zu er­klä­ren: Die­se be­trifft et­wa die 60 Stand­or­te der Käl­ber­stäl­le, an de­nen die ver­trag­lich ge­bun­de­nen Land­wir­te die Auf­zucht nach den Vor­ga­ben von Brü­ning­hoff durch­füh­ren. Die Stäl­le ge­hö­ren da­bei den Bau­ern. Die Käl­ber — zwi­schen 200 und 4000 pro Bau­ern­hof — sind von An­fang an Ei­gen­tum von Brü­ning­hoff. Die Trans­port­dau­er von ei­nem die­ser Stäl­le zum Schlacht­hof ist für kein Kalb län­ger als ei­ne Stun­de. Die­ses Spe­zia­lis­ten­tum prägt das Un­ter­neh­men in al­len Be­rei­chen. Da ist die Spe­zia­li­sie­rung auf deut­sches Kalb­fleisch (DDDD =ge­bo­ren, ge­mäs­tet, ge­schlach­tet und zer­legt in Deutsch­land). Da ist die Spe­zia­li­sie­rung der Mit­ar­bei­ter — so sind in der Zer­le­gung aus­schließ­lich ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt, vie­le da­von seit über 25 Jah­ren. Und da ist die Spe­zia­li­sie­rung auf „Kalb­fleisch nach Wunsch“, denn es wer­den al­le nur denk­ba­ren Kun­den­wün­sche, et­wa hin­sicht­lich Teil­stück­zu­schnitt oder Ver­pa­ckung erfüllt.

Softwarespezialist statt ‑generalist

Die­ses Spe­zia­lis­ten­tum kenn­zeich­net auch den Ein­kauf im Hau­se. Bei der In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung für ei­ne neue Un­ter­neh­mens­soft­ware grenz­ten Jo­sef Brü­ning­hoff und Jan Rog­gen­kamp die An­bie­ter ein und sag­ten sich „Wir wol­len kei­nen Soft­ware­part­ner ha­ben, der ne­ben Fleisch noch drei, vier an­de­re Bran­chen im Kopf hat“. Aus der Er­fah­rung mit dem vor­he­ri­gen Soft­ware­an­bie­ter hat­te man ge­lernt, vor­her gab es ei­ne Lö­sung von ei­nem Ge­ne­ra­lis­ten. Sol­che Leu­te wis­sen von al­lem ein we­nig, aber nichts Spe­zi­el­les von der Fleisch­bran­che. Die­ses Spe­zi­al­wis­sen, das Rog­gen­kamp ein­for­der­te, be­traf bei­spiels­wei­se die Fra­gen der Rück­ver­fol­gung und Qua­li­täts­si­che­rung, aber auch der Kal­ku­la­ti­on und Preis­fin­dung. Die De­vi­se lau­te­te: „Wir sind selbst ein Bran­chen­spe­zia­list und wir wol­len auch im Be­reich Soft­ware mit ei­nem Bran­chen­spe­zia­lis­ten zusammenarbeiten“. 

Bei der Aus­wahl der mög­li­chen Soft­ware­an­bie­ter im Jahr 2009 hat­te der An­bie­ter Win­web aus Al­den­ho­ven ei­nen Start­vor­teil. Denn schon acht Jah­re vor­her brauch­te man bei Brü­ning­hoff ei­ne spe­zi­el­le Soft­ware – es ging um die Steue­rung und Kon­trol­le der Käl­ber­auf­zucht. Seit­her wird die Käl­ber­auf­zucht mit ei­nem Spe­zi­al­mo­dul aus den Bran­chen­pro­gram­men von Win­web or­ga­ni­siert. Doch trotz die­ses Ver­trau­ens­vor­schus­ses er­stell­te Jan Rog­gen­kamp zu­nächst ein Pflich­ten­heft. Das be­deu­tet: Er hat nicht die vor­han­de­nen Soft­ware­an­ge­bo­te da­nach ge­prüft, wel­ches am bes­ten zu sei­nem Un­ter­neh­men passt, son­dern den Soft­ware­häu­sern vor­ge­ge­ben, was sei­ne neue Un­ter­neh­mens­soft­ware kön­nen muss. „Soft­ware ist doch ‚soft’, al­so muss sie sich auch an­pas­sen kön­nen“, meint er dazu.

Al­le denk­ba­ren Kun­den­wün­sche hin­sicht­lich Teil­stück­zu­schnitt oder Ver­pa­ckung wer­den erfüllt

Pflichtenheft für die neue Software

Jan Rog­gen­kamp ließ sich von ver­schie­de­nen An­bie­tern Re­fe­renz­be­trie­be be­nen­nen, be­such­te die­se und frag­te ih­re Er­fah­run­gen ab. Und letzt­lich gab es na­tür­lich, wie bei je­der In­ves­ti­ti­on, ei­nen Fi­nanz­rah­men: Es be­stan­den Preis­vor­stel­lun­gen, so­wohl für die An­schaf­fung wie auch für die lau­fen­den Kos­ten. Durch die­se Kos­ten­gren­ze fie­len dann ei­ni­ge An­bie­ter mit Prei­sen ‚jen­seits von Gut und Bö­se’ von vor­ne­her­ein weg. Dass da­durch ge­ra­de die „ganz gro­ßen An­bie­ter“ nicht mehr in der en­ge­ren Aus­wahl stan­den, fand der Brü­ning­hoff-Ma­na­ger noch aus ei­nem struk­tu­rel­len Grund gut: „Für mich war auch wich­tig, ei­nen Part­ner auf Au­gen­hö­he zu ha­ben. Ich will im All­tag di­rekt die kom­pe­ten­ten Leu­te te­le­fo­nisch er­rei­chen und nicht in ei­nem Call-Cen­ter landen“.

Seit Jan Rog­gen­kamp sein Pflich­ten­heft für die neue Un­ter­neh­mens­soft­ware ge­schrie­ben hat, sind vier Jah­re ver­gan­gen, seit drei Jah­ren ist das Sys­tem „win­web-food“ er­folg­reich im Ein­satz. Das Ge­samt­ur­teil fällt ein­deu­tig aus: „Wir kön­nen bei Kalb­fleisch al­les. Und Win­web kann bei Soft­ware für Fleisch al­les.“ Die Ba­sis für die­ses po­si­ti­ve Ur­teil be­zieht sich auch auf die Lö­sung von Son­der­wün­schen, wie z.B. stan­dard­mä­ßig drei Adres­sen für ei­nen Kun­den ver­wal­ten zu kön­nen: ei­ne für den Ort der An­lie­fe­rung, ei­ne für den Emp­fän­ger der Wa­re, ei­ne für den Emp­fän­ger der Rech­nung. Als nicht all­täg­li­che An­for­de­rung zeig­te sich auch die An­bin­dung ei­nes neu­en La­bor­ge­räts zur Prü­fung der Milch­qua­li­tät für das Käl­ber­fut­ter. Die­se An­la­ge aus der Mol­ke­rei-Aus­stat­tung stellt den Ein­käu­fern von Brü­ning­hoff jetzt über „win­web-food“ au­to­ma­tisch die Da­ten zur Be­wer­tung der Milch­lie­fe­run­gen zur Ver­fü­gung, die wie­der­um ähn­lich ei­ner Han­dels­klas­se Ba­sis für die Preis­fin­dung sind.

Was Win­web mit „An­wen­der­freund­lich­keit“ meint, be­wies sich bei Brü­ning­hoff schon in der An­fangs­pha­se. Jan Rog­gen­kamp: „Wäh­rend der ge­sam­ten Ein­füh­rung des Pro­gramms war es kei­nen ein­zi­gen Tag not­wen­dig, dass Win­web-Mit­ar­bei­ter hier bei uns vor Ort wa­ren. Die An­bin­dung von Waa­gen und an­de­rer Hard­ware konn­ten wir mit Sup­port aus Al­den­ho­ven selbst ma­chen“. Das Sys­tem, das sich den Brü­ning­hoff- Mit­ar­bei­tern schon zur Ein­füh­rung qua­si selbst er­klärt hat, ist auch so auf­ge­baut, dass Mit­ar­bei­ter fle­xi­bel ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Der Ju­ni­or­chef bringt das auf den Punkt: „Wer Ein­kauf kann, der muss bei uns auch Ver­kauf kön­nen. Wer ei­ne Be­stel­lung ein­ge­ben kann, der muss auch ei­nen Auf­trag ein­ge­ben kön­nen. Das geht, wenn die Soft­ware lo­gisch und sym­me­trisch auf­ge­baut ist.“

Konzentration auf Verarbeitung und Handel

Das Soft­ware­un­ter­neh­men Win­web ist ein aus­schließ­lich auf die Fleisch­wirt­schaft spe­zia­li­sier­ter An­bie­ter. Die­se Kon­zen­tra­ti­on auf Fleisch­ver­ar­bei­tung und ‑han­del er­gibt prak­ti­sche Anwendervorteile:

Al­les da­bei. Die Soft­ware um­fasst al­le Leis­tungs­be­rei­che, die ein Fleisch ver­ar­bei­ten­des Un­ter­neh­men oder der Han­del ha­ben kann – von Vieh­ein­kauf und Schlach­tung über Ein­kauf, Zer­le­gung und Pro­duk­ti­on bis hin zum Ver­kauf und der Filialkontrolle.

Ein­fa­cher Start. Die Soft­ware wur­de so ent­wi­ckelt, dass kauf­män­ni­sche und fach­lich­prak­ti­sche Mit­ar­bei­ter oh­ne be­son­de­re IT-Aus­bil­dung in kür­zes­ter Zeit mit dem Sys­tem ar­bei­ten kön­nen. Das Ar­bei­ten geht schnell und braucht kei­ne ei­ge­ne IT-Ab­tei­lung im Unternehmen.

Al­les si­cher ver­netzt. Die In­te­gra­ti­on von Pe­ri­phe­rie­ge­rä­ten un­ter­schied­li­cher Her­stel­ler in der ge­sam­ten Pro­zess­ket­te ist Stan­dard. Win­web kennt die bei sei­nen Kun­den ein­ge­setz­te Tech­nik in den Be­rei­chen Waa­gen, Scan­nen und Auszeichnen.

Al­les si­cher kal­ku­liert. Zur tech­no­lo­gi­schen Be­triebs­si­cher­heit kommt die kauf­män­ni­sche Si­cher­heit – der An­wen­der er­kennt zu je­dem Kun­den und Ar­ti­kel, zu je­der Char­ge und Lie­fe­rung den er­reich­ten De­ckungs­bei­trag. Das schafft den si­che­ren Blick auf Wa­ren­ein­satz, Roh­ertrag oder Filialerfolg. 

Al­les si­cher rück­ver­folgt. Die Lö­sung wächst mit den An­for­de­run­gen des Ge­setz­ge­bers, des Han­dels und der Kon­su­men­ten zur
Rück­ver­fol­gung ei­nes Fleisch­erzeug­nis­ses bis zum le­ben­den Tier.
Pro­duk­ti­ons­pla­nung so­wie Qua­li­täts- und Her­kunfts­si­che­rung lau­fen „Hand in Hand.

Text: Joa­chim Kon­rad
Bil­der: Brüninghoff/Winweb, An­nie Spratt / unsplash
Er­schie­nen in Fleisch­wirt­schaft 07/2013

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